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„Wir stehen bereit“

Was niemand weiß: GVS würde für barrierefreien Wohnraum sorgen – wenn jemand danach fragen würde

Barrierefreier, trotzdem bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware in Rinteln (wir berichteten). Einen Bedarf kann die Gemeinnützige Verwaltungs- und Siedlungsgesellschaft (GVS) trotzdem nicht erkennen. „Denn“, so erklärt Geschäftsführer Jürgen Peterson vor dem Behindertenbeirat, „wenn Bedarf besteht, werden wir handeln.“ Doch wie passt das zusammen?

Der springende Punkt, so Peterson: „Uns erreichen eben keine Nachfragen.“ Dabei könne sich jeder, der mit seiner Wohnsituation nicht mehr weiterweiß und keinen bezahlbaren Wohnraum findet, an die GVS wenden. „Wir kümmern uns darum, veröffentlichen die Anfrage auf unserem Online-Portal und schreiben auch Makler und Vermieter an.“ Vor längerer Zeit habe man in so einem Fall eine Wohnung barrierefrei umgebaut und vermietet.

Aber da sich niemand persönlich bei der GVS erkundige, bestehe auch keine Nachfrage. Anders sieht das die SPD-Fraktionsvorsitzende Astrid Teigeler-Tegtmeier. Sie leitet einen Pflegedienst und hat daher beruflich sehr viel mit Menschen zu tun, die eigentlich barrierefreien Wohnraum bräuchten. „Das ist doch die Generation, die sich mit allem zufriedengegeben hat – die Nachkriegsgeneration, die das Leiden gewohnt ist“, sagt Teigeler-Tegtmeier. Man könne nicht erwarten, dass sich diese Menschen hilfesuchend an die Stadt wenden – man müsse einen Schritt auf sie zugehen.

Auch Bürgermeister Thomas Priemer geht davon aus, dass in Rinteln Bedarf nach barrierefreiem Wohnraum besteht. Allerdings werde dieser auch vom Markt bedient.

Jedoch bauen Investoren meist für eine vermögende Klientel, die in der Lage ist, senioren- und behindertengerechte Wohnungen zu bezahlen.

Die gemeinnützige GVS, die nur kostendeckend arbeiten muss, könnte sehr wohl benötigte Wohnungen organisieren, sagte Peterson. „Es ist ja unser Auftrag, Wohnungsnot zu beseitigen.“ Damals, in der Engpass-Situation nach der Grenzöffnung im Jahr 1989, stellte die GVS in kurzer Zeit insgesamt 70 kostengünstige Wohnungen im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus zur Verfügung. Gäbe es eine entsprechende Nachfrage für barrierefreien und überhaupt den sozialen Wohnungsbau, dann würde die GVS genauso tätig werden wie vor 30 Jahren.

Das Online-Portal auf der Internetseite der GVS wurde vor fünf Jahren zusammen mit dem Behindertenbeirat eingerichtet. Es werde aber nicht genutzt, sagt Peterson.

Vorsorglich entsprechenden Wohnraum zu schaffen, wie es der Behindertenbeirat angesichts des angespannten Wohnungsmarktes vorschlug, das erscheine zu riskant. „Wir müssen schon genauer wissen, wer solche Wohnungen braucht, ob Familien, ob Singles und mit welchen Bedürfnissen“, erklärt er. Was wäre denn, wenn sich nun 20, 30 Interessierte über das Online-Portal für „behindertengerechtes und barrierefreies Wohnen in Rinteln“ bei der GVS melden würden? Peterson: „Dann stehen wir bereit.“

Teigeler-Tegtmeier ist sich sicher: Der Bedarf ist da. Er sei aber meist unsichtbar – genauso wie Altersarmut. Viele alte Menschen würden etwa in die wenigen „Hochhäuser“ Rintelns ziehen – einfach nur, weil dort Aufzüge vorhanden seien.

Ansprechpartner für die Vermittlung von barrierefreiem Wohnraum sind Günter Brand, Telefon (0  57  51) 7  00  48, und Jürgen Peterson, Telefon (0  57  51) 7  00  16.

© Schaumburger Zeitung, 16.10.2018; Foto: JAN

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