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Strom wird das Erdöl von morgen

Mieterstrom könnte erneuerbare Energien auch für Mieter nutzbar machen.

Eine Photovoltaikanlage auf jedem dafür brauchbaren Hausdach – das ist die Vision von Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Peterson, und ebenso vom Verein BürgerEnergieWende Schaumburg. „Mieterstrom“ ist dabei das Stichwort. Das bedeutet: Hausbesitzer und Wohnungsbaugesellschaften installieren Solaranlagen und geben den so erzeugten Strom kostengünstig an ihre Mieter weiter.

Die Idee: Nicht nur Eigenheimbesitzer, sondern auch Vermieter – und damit ebenfalls die Mieter – sollen sich verstärkt am Ausbau der erneuerbaren Energien beteiligen. Bisher tut sich da noch nicht viel. Frank Beißner, Solarberater und Mitglied im Verein BürgerEnergieWende Schaumburg, weiß auch warum. Er besitzt ein Mehrfamilienhaus in Steinbergen, bei dessen Sanierung er sich mit dem Thema „Mieterstrom“ befasst. „Eigentlich ist das eine tolle Klimaschutz-Sache“, sagte er in einem Vortrag bei den Stadtwerken Rinteln. „Aber viele Leute lassen sich durch die Bürokratie rund um Förderung und Steuer abschrecken.“

Wer seinen Mietern Strom verkauft, wird damit quasi zum Stromanbieter und muss dafür gegebenenfalls Gewerbesteuer zahlen. Dazu kommen die Kosten für die Abrechnungen mit den Mietern und für Messungen, bei denen unterschieden wird, wie viel Strom direkt verbraucht und wie viel überschüssiger Strom in die öffentlichen Netze eingespeist wird. Allerdings: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz genehmigt seit 2017 einen „Mieterstrom-Zuschlag“ für die Betreiber von Solaranlagen. „Damit kann sich Mieterstrom durchaus lohnen – für Vermieter und für die Mieter“, so Beißner.

Dass der „Mieterstrom“ noch in den Kinderschuhen steckt, ließ sich auch an den Beiträgen während der Podiumsdiskussion ablesen. So sind bisher nur Solaranlagen, nicht aber Blockheizkraftwerke in die bestehenden Modelle einbezogen. Zudem erweist es sich als problematisch, den tatsächlichen Stromverbrauch der Mieter zu messen. Und auch die Stadtwerke selbst sind auf einen möglichen Ausbau von Mieterstrom noch nicht wirklich eingestellt, das bestätigten Nils Blaue aus der Immobilienabteilung der Stadtwerke Rinteln, Daniel Strathmann, Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Schaumburg-Lippe, und Heinrich Matthias, Bereichsleiter vom Westfalen Weser Netz.

Herman Kempf, Vereinsmitglied und Bauherr energieeffizienter Mehrfamilienhäuser berichtete, dass er den durch Wärmepumpen und Solaranlagen produzierten Strom nur für den Nebenkosten-Stromverbrauch in seinen Häusern nutze. Noch traue er seinen Mietern nicht zu, mit den Messzählern umzugehen, die installiert werden müssten, wenn er ihnen Strom verkaufen würde. Heinrich Matthias wies darauf hin, dass bei genereller Nutzung von Mieterstrom das Umlagesystem generell geändert werden müsste, da sonst solche Mieter benachteiligt würden, die keinen Mieterstrom beziehen können.

Trotz dieser Problematiken waren sich die Diskutanten darüber einig, dass im Strom aus erneuerbaren Energien und in der Digitalisierung der Energieversorgung die Zukunft läge. „Strom wird das Erdöl von morgen“, so Kempf.

Der Verein BürgerEnergieWende Schaumburg plant einen „Immobilienstammtisch“, wo sich Hausbesitzer über Mieterstrommodelle austauschen und sich gegenseitig beraten und unterstützen. Interessenten können sich dafür an Solarberater Beißner wenden. Kontaktaufnahme ist über die Webseite des Vereins möglich, die außerdem umfangreiche Informationen zu allen Themen rund um erneuerbare Energien zur Verfügung stellt.

© Schaumburger Zeitung, 07.09.2018

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