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Radsportszene kennt Rinteln

Nach Weser-Radmarathon arbeitet Touristikchef an neuem Konzept: Wandermarathon

Von Hans Weimann

485 Teilnehmer sind beim neunten Weser-Radmarathon am Wochenende an den Start gegangen – und das trotz der Konkurrenz durch den Bodensee- oder den Ötztal-Radmarathon. Matthias Gräbner, Touristikmanager des Touristikzentrums Westliches Weserbergland, hat also allen Grund, überzeugt zu sein, dass „der Weser-Radmarathon inzwischen deutschlandweit in der Radsportszene ein Begriff ist“.

Wobei der Schwerpunkt auf „Sport“ liegt, denn von den insgesamt 485 Startern hatten sich 225 für die Extrem-Distanz von 300 Kilometern angemeldet. Als Wirtschaftsfaktor nicht zu unterschätzen: Die Mehrzahl der Teilnehmer übernachtet zweimal in Rinteln.

In den vergangenen neun Jahren habe man bei der Organisation immer dazugelernt, schilderte Gräbner. So gibt es jetzt sieben Verpflegungsstationen, die letzte nach der kräftezehrenden „Klettertour“ über die Ottensteiner Hochebene. Auch das Angebot sei auf die Sportler abgestimmt (bei einem Zwischenstopp will niemand eine Stunde auf Schnitzel und Pommes warten). Auf Facebook spiegelt sich wider, dass das Organisationsteam und die vielen Helfer wohl alles richtig gemacht haben. Tenor: „Coole Veranstaltung.“ Und: „Es war super organisiert.“ Positiv sei von Radfahrern angemerkt worden, schilderte Gräbner, dass diesmal Profis die Strecke ausgeschildert hätten. So zeigte beispielsweise nach jedem Abbiegen ein zweites Hinweisschild dem Vorbeifahrenden: „Du bist immer noch auf dem richtigen Weg.“

Leider gab es einen Unfall, kurz nach dem Start um 5.30 Uhr im dichten Nebel. Ein Radfahrer wurde von einem Wagen erfasst. Ein Mitfahrer postete bei Facebook: „Rolle über die Haube, Knochenbrüche, Abschürfungen, Rad komplett zerstört, Auto stark beschädigt. Also angehalten und geholfen, bis Polizei und Rettungskräfte nach circa 30 Minuten alles im Griff hatten.“

Gräbner, der selbst auf der Strecke war, bestätigte, dass auch er beobachtet habe, wie Autofahrer Radfahrergruppen riskant überholt hätten. Ein weiterer Radfahrer kollidierte mit einem Nebenmann, stürzte gegen eine Leitplankenkante, verletzte sich am Arm und musste aufgeben.

Im nächsten Jahr soll die zehnte Weserrunde stattfinden. Und Gräbner hat für das „Jubiläum“ schon Ideen. Da der Marathon ein sportlicher Höhepunkt für die ganze Weserregion ist, sei vorstellbar, dass außer Rinteln auch Holzminden zum Start- und Zielort für die Tour werde. Das könnte vor allem für Radsportler aus dem Raum Göttingen und Kassel attraktiv sein.

Gräbner und sein Team arbeiten inzwischen auch an einem Konzept für einen Wandermarathon. Gräbner sieht das so: Der Radmarathon habe Rinteln bei einem Personenkreis bekannt gemacht, der sonst nicht unbedingt hierher gekommen wäre. Was läge also näher, als eine weitere große Trendsport-Gruppe anzusprechen, zumal das Weserbergland auch hierfür die besten Voraussetzungen biete: die Wanderer und Weitwanderer. Die Idee: ein 24-Stunden-Event, ein Rundkurs mit Start und Ziel in Rinteln. Noch muss Gräbner einige Hürden nehmen: Forstämter müssen zustimmen und Sponsoren mitmachen. Gräbner ist optimistisch, das sich das Konzept realisieren lässt. Auf dem Kellerwaldsteig am Edersee und auf dem Saar-Hunsrück-Steig funktioniert ein Wandermarathon bereits prächtig.

© Schaumburger Zeitung, 04.09.2018

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