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Nitrat: Rinteln unter dem Grenzwert

Und: Umstrittene Kanalarbeiten an der Ost-Contrescarpe haben begonnen

Man darf über den Grund spekulieren, aber es war wohl die ständige Diskussion darüber, wie weit die Landwirtschaft durch Gülleeintrag das Trinkwasser gefährdet, was den CDU-Fraktionsvorsitzenden Veit Rauch veranlasst hatte, beim Rintelner Abwasserbetrieb einen Fragenkatalog zum Thema Abwasser vorzulegen.

Wichtigste Antwort der Stadtwerke in der Sitzung des Betriebsausschusses des Abwasserbetriebes am Dienstagabend: Wir haben in Rinteln kein Nitratproblem. Die Grenzwerte für Nitrat im Trinkwasser würden „deutlich unterschritten“.

Das sei ein Ergebnis einer seit fast drei Jahrzehnten gut funktionierenden Zusammenarbeit mit rund 300 Landwirten, die Flächen in Trinkwassergewinnungsgebieten bewirtschaften. Dies gelte für den gesamten Bereich der IG Weser GmbH, einem Zusammenschluss von sechs Wasserversorgern, erläuterten Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Peterson und die technische Betriebsleiterin des Abwasserbetriebes, Grit Seemann.

Über „freiwillige Vereinbarungen“ verpflichten sich die Landwirte, Bewirtschaftungsregeln einzuhalten, die über die geltende Düngeverordnung sogar hinausgehen. Die Landwirte nehmen damit Ertragseinbußen in Kauf, dafür bekommen sie Ausgleichszahlungen.

Auf die Frage der CDU, was bei Starkregen mit dem Abwasser passiere, antwortete Seemann: Es gebe Regenüberlaufbecken, Entlastungsbauwerke und Sammelkanäle, die solche Wassermassen aufnehmen könnten, damit Schmutzwasser verdünnten. So würde auch bei Starkregen der Grenzwert für Stickstoff bei der Einleitung des „gereinigten Abwassers“ von der Kläranlage in die Weser eingehalten. Die Frage problematischer Einleitungen – wie beispielsweise Medikamentenrückstände – stelle sich so noch nicht, denn Rinteln sei kein Ballungsraum.

Beschlossen wurde im Ausschuss auch der Wirtschaftsplan für das kommende Jahr. Das für Bürger wichtigste Ergebnis: Es sind keine Gebührenerhöhungen beim Abwasser geplant.

Wie Seemann informierte, hätten die Bauarbeiten für den neuen Kanal an der Ost-Contrescarpe begonnen. Dazu mussten sich die Abwasserbetriebe mit den Anliegern einigen – was manche jedoch verweigerten, sodass in diesen Fällen der Landkreis eine Duldungsverfügung erließ. Hintergrund: Die Stadtwerke müssen für die Bauarbeiten auf jeder Seite drei Meter von privaten Grundstücken in Anspruch nehmen. Ein Lagerplatz und eine Zufahrtsstraße sind gebaut. Seemann geht davon aus, dass der neue Kanal im November nächsten Jahres fertig sein werde. Die Baufirma arbeitet sich von Schacht zu Schacht voran, damit weiterhin Schmutz- und Regenwasser zur Kläranlage geleitet werden kann.

© Schaumburger Zeitung, 12.11.2020 

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