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LED um jeden Preis?

Streitpunkt Stromeinsparung am 19. September im Verwaltungsausschuss

LED-Licht spart Strom. Braucht Rinteln also noch mehr von diesen modernen Straßenleuchten? Das Bundesumweltministerium vergibt in diesem Jahr letztmalig Fördergelder für Kommunen, die ihre Beleuchtung auf LED-Technik umstellen.

Für den WGS-Fraktionsvorsitzenden Gert Armin Neuhäuser Anlass, Stadtwerke und Verwaltung darauf hinzuweisen, dass sie hier tätig werden sollten. Neuhäuser schreibt: „In Rinteln gibt es viele alte Lampen auf den Wällen, auf dem Parkplatz am Steinanger, in der Südstadt.“ Neuhäuser beantragte deshalb, dies zum Tagesordnungspunkt bei der nächsten Verwaltungsausschusssitzung am 19. September zu machen.

Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Peterson klärte jetzt in einem Gespräch ein Missverständnis bei diesem Thema auf: Eine „alte Lampe“ bedeute nicht automatisch „alte Leuchtmitteltechnik“. In vielen Lampen, beispielsweise den Altstadtlampen wie am Rathaus, sei längst moderne LED- beziehungsweise Energiespartechnik installiert. Nur sehe man das von außen eben nicht.

Zurzeit erhellen rund 4600 „Leuchtpunkte“ die kommunalen Straßen. Die technische Evolution der Leuchtkörper liest sich so: Gaslampe, Glühlampe, Quecksilberdampfleuchte, Natriumdampflampe, Leuchtstoffröhre, Kompaktleuchtstoffröhre und jetzt LED (gleich: light-emitting diode). Peterson versicherte, die Stadtwerke würden Leuchtmittel laufend der technischen Entwicklung anpassen. Werden neue Lampen aufgestellt, wie an der Stükenstraße, dann automatisch mit LED-Technik. Auch in städtischen Turnhallen leuchte inzwischen LED-Licht. Peterson rechnete vor: Hätte man Rinteln vor drei Jahren, komplett auf LED-Technik umgestellt, hätte das rund 1,8 Millionen Euro gekostet, bei einer maximalen Fördersumme von 900 000 Euro. Damit hätte man den Energieverbrauch für die Straßenbeleuchtung um 50 Prozent reduzieren können. Die Stadtwerke seien den anderen Weg, den der stufenweisen Erneuerung, gegangen und hätten einen vergleichbaren Effekt mit geringeren Investitionskosten erzielt, nämlich rund 450 000 Euro. Damit habe man den Energieverbrauch um 40 Prozent reduziert.

Neuhäuser geht in seinem neuen Antrag davon aus, dass die Stadt Fördergelder für eine weitere Modernisierung der Beleuchtung bekommen würde. Peterson ist da nicht so optimistisch. Denn eine der Voraussetzungen für einen Förderantrag sei, dass mit der Umstellung eine CO2-Reduzierung von 70 bis 80 Prozent erreicht wird. Eine solche Einsparung sei aber nicht mehr machbar, weil Stromfresser wie Quecksilberdampfleuchten und viele Natriumdampflampen längst ausgetauscht worden seien.

Man könnte überspitzt sagen, von dem Förderprogramm profitieren vor allem Städte, die bisher die technische Entwicklung der Leuchtmitteltechnik verschlafen haben.

Peterson sieht noch einen anderen Aspekt: Die größte Energieeinsparung habe man in Rinteln mit der energetischen Sanierung von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden erreicht. Einen verhältnismäßig hohen Verbrauch haben heute noch Brückentor, Bürgerhaus, Eulenburg und die beiden Verwaltungsgebäude an der Klosterstraße 19 und 20. In diesen Gebäuden wird am meisten Strom verbraucht (374 527 Kilowattstunden im Jahr), gefolgt von den Feuerwehren (133 155) und Schulen (100 661 Kilowattstunden).

Nur sparen kann man hier kaum: Denn der hohe Stromverbrauch resultiert auch aus der „verbrauchsintensiver technischer Ausstattung“ wie Computer und Kommunikationseinrichtungen. Technik, die gebraucht wird. Die Verbrauchsanteile für die Straßenbeleuchtung spielen in der Gesamtbilanz also eine eher untergeordnete Rolle.

© Schaumburger Zeitung, 08.09.2018

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