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Hier wachen Higgins und Hedda

Hühner, Gänse und Schafe weiden zwischen Bürger-Solaranlage

„Hedda“ und „Higgins“ entgeht nichts. Jede Bewegung auf und um den Solar-Park in Deckbergen wird von dem Geschwisterpaar registriert. Nähert sich jemand dem Gelände, machen die beiden schneeweißen Hunde mächtig Rabatz.

„Das ist ja auch so gewollt, denn Higgins und Hedda sind Herdenschutzhunde“, erklärt Manoh Neumann. Diese Hunde wurden dahingehend gezüchtet, an 365 Tagen im Jahr für 24 Stunden draußen zu sein und ihre Herde zu bewachen. Auf dem Gelände in Deckbergen passen sie auf 125 Hennen, zwei Hähne, 50 Gänse, 20 Enten und zwölf Schafe auf. Es ist ein kleiner Bauernhof, der auf dem zwei Hektar großen Gelände entstanden ist. Die Tiere weiden zwischen den Solarmodulen und sorgen dafür, dass das Gras nicht mehr gemäht werden muss. „Das ist eine Win-win-Situation für Manoh Neumann und uns, denn die Mäharbeiten auf dem Gelände der Bürgersolaranlage waren nicht einfach. Mit großen Maschinen kann man hier nichts anfangen“, erklärte Jan-Philipp Giltmann von den Stadtwerken Rinteln, die das Gelände und die Anlage seit sieben Jahren betreiben.

Neumann ist in der Ausbildung zum Landwirt, denn er möchte sein Hobby und seine Überzeugung zum Beruf machen. Für die Hennen hat er einen alten Kühlwagen zu einem „Mobilen Hühnerstall“ umgebaut. Tagsüber sind die Tiere draußen, lediglich die Nacht und den Zeitpunkt der Eiablage verbringen sie im Stall. Auch zum Schutz vor Witterung können sie diesen aufsuchen.

Die Eier, etwa 100 Stück pro Tag, verkauft Neumann an der Werkstatt seines Vaters an der Bundesstraße 83. Dort können die Kunden 24 Stunden am Tag die Eier selbst auswählen und je nach Menge bezahlen. „Das klappt problemlos. Die Menschen sind ehrlich“, freut sich Neumann.

Auch grüne Eier hat Neumann im Angebot, denn er hält zehn „Grünleger“ auf dem Gelände des Solar-Parks.

Higgins und Hedda passen nicht nur auf, dass niemand auf das Gelände kommt, sie verscheuchen auch Füchse, Marder und gefiederte Angreifer aus der Luft. „Durch die Hunde habe ich keine Tierverluste mehr“, so Neumann.

Die ökologische Fläche des Solar-Parks hat noch einen weiteren Vorteil. Die Artenvielfalt ist enorm. „Hier sieht man jede Menge Insekten, Vögel und Pflanzen. Das ist eine wahre Pracht“, stellt Neumann fest.

Auf die Frage, ob die Tiere die Fotovoltaikanlage nicht beschädigen, antwortet Giltmann: „Die Tiere interessieren sich überhaupt nicht dafür. Sie setzen sich nicht auf die Module und fressen auch keine Kabel an. Das ist alles perfekt.“

Überwacht wird die Anlage, die Strom für etwa 300 Haushalte liefert, automatisch. „Wenn etwas nicht in Ordnung ist oder zur allgemeinen Kontrolle, können wir selbstverständlich nicht alleine auf das Grundstück gehen. Das würden die Hunde nicht zulassen. Aber wir stehen in engem Kontakt mit Herrn Neumann, und so ist das kein Problem“, so Giltmann.

Dreimal täglich ist der angehende Landwirt ohnehin auf dem Grundstück und kümmert sich um seine Tiere.

© Schaumburger Zeitung, 15.07.2019

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