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Große Weserrunde: 300 Kilometer als Tagesziel

Fahrrad-Marathon-Spaß, wahlweise mit Übernachtung oder Heimfahrt

Die Ersten sind schon am frühen Samstagmorgen um vier Uhr morgens gestartet vom Schulhof des Gymnasiums Ernestinum in Rinteln, die Letzten trafen kurz nach 18 Uhr wieder ein am Ausgangspunkt. Dazwischen lagen bis zu 300 Kilometer auf dem Sattel bei der Großen Weserrunde des Touristikzentrums Weserbergland. Und „dafür muss man schon ziemlich verrückt sein“, bekannte nicht nur einer der mehr oder weniger ausgepowerten Heimkehrer.

Zum 8. Mal hatte das Touristikzentrum Weserbergland zur Großen Weserrunde eingeladen. Mit gut 470 Teilnehmern laut Meldeliste des Wertungsteams der Stadtwerke Rinteln war das Fahrerfeld wieder gut besetzt – Tendenz steigend. Das Gros der Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Fahrrad-Marathon entlang der Weser zwischen Rinteln Hannoversch Münden habe sogar die 300-Kilometer-Strecke gewählt.

„Ich wollte Spaß haben, und den hatte ich“, outete sich Max Holz als bekennender Fahrrad-Marathon-Fan nach seiner Zieldurchfahrt und einer kurzen Verschnaufpause vor dem Ernestinum-Eingang. Erst mal das Fahrrad abstellen, die Beine vertreten, die Glieder strecken und auch innerlich ankommen, so scheint es allen Radlern zu ergehen.

Auch, wenn man, wie der Bückeburger, „nur“ die halbe Distanz oder, wie wahlweise möglich, noch kürzere Strecken gewählt hat. Der Spaßfaktor scheint das Wesentliche für die Marathon-Männer und Frauen zu sein.

Gemeinsamer Radler-Spaß verbindet und kann, wenn‘s nicht ums Kilometermachen im Wettbewerbstempo geht, nebenher auch zu neuen Bekanntschaften führen. Die paar Kilometer von Rinteln über den Berg spult er selbstverständlich wieder auf seinem Rad ab, genau wie die Anfahrt zum Aufwärmen. Olaf Kloth aus Hamburg und dessen Partnerin Frauke Fischer, die er unterwegs kennen gelernt und mit denen er ein Großteil der Strecke gemeinsam gefahren ist, wollen erst am nächsten Tag in die Hansestadt zurückfahren. Mit ihren Fahrrädern im Auto-Kofferraum oder auf dem -Gepäckträger. „

Die Strecke war schön, alles war schön, das Weserbergland ist schön, und hinterher ist sowieso alles schön, und wir werden hier übernachten“, sagt Olaf Kloth. „Außerdem wollen wir uns morgen erst mal Rinteln anschauen“, verabschiedet sich Frauke Fischer, während beide sich verdient und mit ordentlich Appetit über ihr Gulasch aus der Küche der Ernestinum-Mensa hermachen.

Essen ist ein Muss und vor allem das Trinken zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes demonstriert auch die große Gruppe am Tisch auf der gegenüber liegenden Seite des Mensa-Saales. 18 Fahrer haben sich dort zum Ausklang der Tour versammelt. - Die meisten von trinken zum Essen Wasser oder allenfalls alkoholfreies Weizenbier. Denn „Alkohol nach einer so langen Tour, das haut dich um, erklärt einer der Tischnachbarn. Denn „wir haben alle die 300 Kilometer gefahren, auch der Dienstälteste hier am Tisch“, stellt er Norwin Schuldis aus Dinslaken vor.

Der 69-Jährige habe mit elf Vereinskameraden die 300-er bewältigt, und „am Ende hatten wir auf 18 aufgestockt“, erzählt Schuldis selber. „Das Gemeinschaftserlebnis in der Gruppe“ ist es, was das Besondere an solchen Marathons wie der Großen Weserrunde ausmacht, ergänzt Boris Masalsky aus Paderborn, der zu den sechs Aufstockern gehört und zu den Härtesten des Marathon-Tages. Die gute Stimmung in der Gruppe und die gegenseitige Rücksichtnahme seien allein schon die Teilnahme wert gewesen, berichtet er und dass er schon die Anfahrt per Rad zurückgelegt habe. Und weil er noch Reserven übrig habe, werde am selben Abend die gut 80 Kilometer nach Hause auch wieder auf dem Rad zurücklegen. „In knapp vier Stunden, und gegen Mitternacht werde ich wohl wieder zu Hause sein...“

© Schaumburger Zeitung 04.09.2017

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