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Die E-Mobilität steckt noch in den Kinderschuhen

Nur 15 E-Autos in Rinteln zugelassen / Stadtwerke bauen Ladesäulennetz aus

Bis 2020 eine Million Elektro-Autos auf Deutschlands Straßen, bis 2030 sechs Millionen: Die Politik hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Am Ende des Jahres 2017 waren in den insgesamt 738 Zulassungsstellen in Deutschland 34.000 EAutos zugelassen. Allerdings werden nur etwa 57 Prozent von Privatkunden gefahren. Den Rest haben Hersteller und Händler selbst in den Markt gedrückt.

Wesentliche Gründe, die gegen ein E-Auto sprechen, sind zum einen der hohe Anschaffungspreis, zum anderen die geringe Anzahl von Ladestationen. Im Jahr 2017 waren es bundesweit 8300. Aber ohne Ladeinfrastruktur keine Elektroautos.

Im Rahmen des Projektes „Laden 2020“ haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) den Bedarf an öffentlichen Ladepunkten ermittelt. Nach Meinung der Wissenschaftler fehlen für den Nahverkehr 33.000 Ladepunkte. Empfehlenswert für alltägliche Fahrten in Städten seien außerdem bis zu 4000 Schnellladepunkte. Für den Fernverkehr mit Strecken von mehr als 100 Kilometern seien außerdem noch weitere 2600 öffentliche Ladepunkte nötig – zusammen also fast 40.000 neue Ladepunkte.

Wie sieht es hinsichtlich der Ladestationen im Stadtgebiet von Rinteln aus?

„Fünf Ladesäulen befinden sich direkt in Rinteln“, sagt Kathrin Kirchhoff, bei den Stadtwerken Rinteln für Marketing verantwortlich. „Sie stehen Am Weseranger, Am Steinanger, Klosterstraße 20, Wallgasse 6 und Bahnhofsweg 6. „Es ist geplant, in naher Zukunft zwei weitere Ladestationen zu bauen – eine in Steinbergen am Hallenbad und eine am Doktorsee in Rinteln“, verrät Kirchhoff. In den nächsten Jahren sollen weitere zwei bis vier Ladestationen im Stadtgebiet und in den größeren Ortsteilen dazukommen, so Kirchhoff. Angesichts der in Rinteln gemeldeten E-Autos gibt es im Stadtgebiet sogar ein Überangebot von Ladestationen. Denn in Rinteln sind gerade einmal 15 E-Autos zugelassen.

Neben den öffentlichen Ladestationen können E-Autos auch zu Hause in der Garage oder an jeder Steckdose aufgeladen werden. Dafür ist lediglich eine Ladebox notwendig. Die Stadtwerke Rinteln fördern die E-Mobilität durch kostenfreie Verleihung dieser Ladeboxen im Wert von 695 Euro. Der Kauf von E-Rollern und E-Bikes wird ebenfalls von den Stadtwerken gefördert. Hier beträgt der Förderbetrag für E-Roller 150 Euro und für E-Bikes 50 Euro. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle fördert außerdem den Kauf von E-Autos mit 1500 bis 2000 Euro, wenn der Netto-Listenpreis weniger als 60.000 Euro beträgt.

Wie lange dauert das Aufladen eines Fahrzeuges?

Die Ladedauer ist hersteller- und modellabhängig. Die Ladezeiten zu Hause an der Steckdose betragen etwa acht bis zehn Stunden, an öffentlichen Ladesäulen zwei bis vier Stunden und an öffentlichen Schnellladesäulen 30 bis 60 Minuten.

Was kostet das Aufladen eines E-Autos?

Die Kosten für das Laden eines E-Autos, umgerechnet auf 100 Kilometer, betragen etwa 4,50 Euro bei einem Verbrauch von 15 Kilowattstunden pro Aufladung und einem Strompreis von 30 Cent.

Um wie viel steigt der Stromverbrauch eines Haushaltes, wenn regelmäßig ein E-Auto aufgeladen wird?

Geht man von einer täglichen Fahrleistung von 150 Kilometern aus und, dass beim Aufladen der Batterie etwa 23 Kilowattstunden gebraucht werden, ergibt sich bei einer Nutzung des Fahrzeuges von 300 Tagen im Jahr ein zusätzlicher Stromverbrauch von etwa 7000 Kilowattstunden. In Deutschland sind 45,8 Millionen (Stand 12/2017) PKW zugelassen. Die Frage, ob das Stromnetz für einen kompletten Umstieg auf E-Autos ausgelegt sei, beantwortet Kathrin Kirchhoff mit einem klaren „Nein“. „Die Netzbetreiber müssten ihre Netze deutlich ausbauen. Die Energiekonzerne müssten zusätzlich eine große Anzahl neuer Regelkraftwerke zum Einsatz bringen. Hohe Investitionskosten wären die Folge. Und die würden auf die Kunden umgelegt werden. Das könnte zu höheren Strompreisen führen.“ Und ein zweiter Grund könnte gegen einen kompletten Umstieg auf E-Autos sprechen. Die Lithium-Ionen-Batterie hat sich aufgrund ihrer hohen Energie- und Leistungsdichte als Speichermedium zurzeit bei E-Autos durchgesetzt. Werden solche Batterien in riesigen Stückzahlen produziert, verschiebt sich nur die Ressourcenabhängigkeit: weg vom Öl, hin zu auch begrenzt vorkommenden Alkali-Metallen wie Lithium sowie Kupfer, Eisen und Nickel. Vor allem die fachgerechte Entsorgung und im optimalen Fall Wiederverwertung dieser Stoffe muss schon bei der Entwicklung der Batterien zentral mitgedacht und dann konsequent umgesetzt werden.

Rinteln Überrascht, 26.02.2018

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