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Die Drift wird vollständig gesperrt

Bald beginnen Arbeiten an der Drift – doch nicht beim Straßenausbau / Dafür fehlt noch immer ein Bauunternehmer

In der Drift soll am 22. Juli mit dem Kanal- und Leitungsbau begonnen werden. Der geplante Straßenausbau muss allerdings weiter warten. Es sind die Stadtwerke, die bis zum 27. September Gas-, Wasser- und Stromleitungen erneuern wollen – wo notwendig ebenso den Kanal. Danach soll die Baustelle zunächst wieder verfüllt, die Straße geschottert werden – wie es auch bei den Kanalarbeiten in Steinbergen praktiziert worden ist. Tiefbauamtsleiter Uwe Quindt hofft, dass sich der reguläre Straßenausbau dann möglichst nahtlos anschließt.

Für den Straßenausbau gibt es im Moment noch kein Unternehmen. Denn zum ersten Submissionstermin hatte keine Firma ein Angebot abgegeben. Am 9. Juli endet die Abgabefrist für die zweite Ausschreibungsrunde und Quindt hofft, dass es dieses Mal klappt. Baubeginn für den Straßenausbau wäre dann der 19. September, Ende Juni sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Die Stadtwerke wollen während der nun anstehenden Arbeiten „abschnittsweise“ vorgehen, erläuterte Jan-Philipp Giltmann, Projektkoordinator der Stadtwerke, gestern auf Anfrage. Begonnen werde im Bereich der Schranke. Abschnittsweises Bauen“ bedeutet, dass das ausführende Unternehmen nicht die komplette Straße auf einmal aufreißt, sondern eine Art Wanderbaustelle einrichtet. So wie in der Herrengasse, in der derzeit die Abwasserleitungen erneuert werden. Dort arbeiten die Arbeiter in der Regel an einem etwa zehn Meter breiten Bereich. Ist dieser fertiggestellt, wird die Baugrube verfüllt und eine neue eröffnet. So können einige Anwohner ihre Grundstücke befahren, obwohl die Straße eigentlich gesperrt ist.

Ortsbrandmeister Thomas Blaue versicherte, die Feuerwehr werde in der Drift zu jeder Einsatzstelle kommen, notfalls eben die letzten Meter zu Fuß. Schwierig könnte das nur mit der Drehleiter werden, aber zum Glück gebe es in der Drift keine großen Häuser. Giltmann erläuterte, die Rettungswege habe man mit der Tiefbaufirma besprochen, die werde eine Feuerwehrzufahrt ermöglichen.

Für Blaue liegt das Problem woanders: Bisher fahre die Feuerwehr zu einem Einsatz in der Nordstadt vom Feuerwehrgerätehaus am Seetor aus durch die Drift, um die „Hilfsfristen“ einzuhalten. Über die Westumgehung dauere so eine Einsatzfahrt drei Minuten länger. Auf eine Alarmfahrt durch die Fußgängerzone verzichte man, da hier das Risiko zu groß sei. Doch es gebe bereits Überlegungen, wie man einen fristgemäßen Einsatz auch für die Nordstadt sicherstellen könne.

Die Stadtwerke wollen jeden Haushalt noch direkt über die geplanten Arbeiten informieren. In dem Schreiben werde darauf hingewiesen, dass der Leitungsaustausch notwendig sei, um eine „dauerhafte Versorgungssicherheit“ garantieren zu können.

Die Anwohner der Drift sehen dem geplanten Aus- und Umbau mit Spannung entgegen. Vor der Öffnung der Schranke fuhren täglich rund 900 Fahrzeuge durch die Drift. Zurzeit sind es fast 4000. Die Anwohner verweisen auf eine Formulierung in der Planfeststellung zur Westumgehung: „In den angrenzenden Wohngebieten sind im Zuge der Planung der Fußgängerzone restriktive Maßnahmen zur Vermeidung von Verdrängungsverkehr vorzusehen.“

Die Öffnung der Schranke, keine sachliche, sondern eine „willkürliche politische Entscheidung“, sei unter diesem Aspekt vermutlich rechtswidrig gewesen. Ziel des Ausbaus müsse also sein, den Durchgangsverkehr durch die Drift zu unterbinden. Sollte das nicht gelingen, werde man eine Klage vor dem Verwaltungsgericht erwägen. Darüber habe man die Verwaltung informiert.

Ein weiteres Thema ist nach wie vor der Busverkehr durch die Drift. Anwohner berichten, in den Abendstunden seien die Busse leer. Die Verkehrsbetriebe Extertal verweisen darauf, dass sich der Fahrplan anders nicht einhalten ließe. Zur Disposition steht dagegen die Haltestelle am Kurhessenweg. Dort steige rechnerisch noch nicht einmal ein Fahrgast pro Tag ein.

© Schaumburger Zeitung, 05.07.2019

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