logo for printview

506 regenerative Energieanlagen produzieren 20,3 Millionen Kilowattstunden

Vermarktung durch die Stadtwerke Rinteln nicht lukrativ genug

Die regenerativen Energieanlagen im Stadtgebiet von Rinteln und der Solarpark Deckbergen speisten im Jahr 2016 20,3 Millionen Kilowattstunden (kWh) in das Stromnetz der Stadtwerke Rinteln ein. Insgesamt gaben die Stadtwerke 103 Millionen kWh Strom an die Kunden ab. Ein Fünftel des Stromverbrauchs erzeugten also regenerative Energieanlagen. Dabei handelt es sich um Energieträger wie Wasserkraft (0,4 Prozent), Biomasse (63,6), Windenergie (0,1), Solar (33,2) und Blockheizkraftwerke (2,7). Insgesamt gibt es 506 regenerative Energieanlagen im Stadtgebiet von Rinteln – 1 Wasserkraft-Anlage, 24 Biomasse-Anlagen, 1 Windkraft-Anlage, 473 Solar-Anlagen und 7 Blockheizkraft-Anlagen (Stand: 31. Dezember 2016).

Um vom allgemeinen Strommarkt unabhängiger zu werden, wäre es doch sinnvoll, die Anzahl der regenerativen Energieanlagen auszubauen. „Wenn jemand eine sogenannte regenerative Energieanlage mit Förderung nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) betreibt, dann nehmen wir als Stadtwerke als reiner Netzbetreiber diesen Strom auf und geben diesen Strom beim Regelzonenbetreiber Tennet wieder ab. Und die verkaufen diesen Strom jeden Tag an der Strombörse“, erläutert Thomas Sewald, Technischer Leiter der Stadtwerke Rinteln. „Jeder EEG-Strom, der irgendwo in einer Stadt erzeugt wird, gehört nicht den Stadtwerken, die es aufnehmen, sondern wird immer an die Strombörse wei­tergeleitet. Die Stadtwerke müssen ihren Strom an der Börse kaufen und verkaufen ihn weiter an die Kunden. Die Stadtwerke haben also nichts davon, wie viel EEG-Stromanlagen es in Rinteln gibt. Wir können uns vom Strom nicht frei­schwimmen, dadurch, dass es in Rinteln viele regenerative Anlagen gibt.“

Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt für eine Kommune generell möglich ist, den produzierten Strom selber zu vermarkten. „Das geht“, sagt Sewald. „Dann würde der Strom der Betreiber aber nicht mehr nach dem EEG-Gesetz bezahlt werden. Das deutsche Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz und garantiert deren Erzeuger feste Einspeisungsvergütungen, die wesentlich höher sind als der Marktwert. Und deshalb besteht kein Interesse daran.“

Auf die Frage, ob die Stadtwerke planen, eine zweite Solarpark-Anlage wie in Deckbergen zu bauen, antwortet Sewald: „Es gibt zwei Gründe, die dagegensprechen. Erstens dürfen solche Anlagen nur noch auf Gewerbeflächen gebaut werden, wenn sie durch das EEG-Gesetz gefördert werden sollen. Solche Flächen gibt es im Stadtgebiet kaum oder gar nicht. Zweitens ist die Förderung so weit abgesackt, dass es wirtschaftlich nicht mehr lukrativ ist, so einen Park zu bauen.“

Das Interesse des Privatmannes an einer EEG-Anlage sei jedoch dagegen riesengroß. Die Strompreise liegen bei etwa 30 Cent pro Kilowattstunde. Da sei die Produktion von Strom für den Eigenbedarf finanziell schon sehr attraktiv, so Sewald.

Wasserkraft gehört zu den ältesten Energiequellen der Menschheit und steht als erneuerbare Energie für unendliche Zeit zur Verfügung. In Deutschland ist die Wasserkraft im letzten Jahrhundert massiv ausgebaut worden, sodass ein Großteil des Potenzials bereits Nutzung findet. Die Weser fließt quasi vor der Haustür vorbei. Durch die Kraft des Wassers könnte viel Strom erzeugt werden. In Hameln werden beispielsweise durch Wasser der Weser drei Turbinen angetrieben und erzeugen 11,7 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

In Rinteln gibt es zurzeit eine Wasserkraft-Anlage. Die steht in Exten. Am „Unteren Eisenhammer“ werden 81.151 kWh im Jahr erzeugt. Im „Unteren Eisenhammer“ wurde im Jahr 1903 ein Elektrizitätswerk gebaut, das Exten bis zum Anschluss an das Überlandnetz 1939 mit Strom versorgte.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Stromgewinnung durch Wasserkraft. Ideal wäre Wehre zu schaffen, um mit fallendem Wasser Turbinen anzutreiben. Turbinen können bereits bei einer Wasserfallhöhe von zwei Metern viel Energie gewinnen. Vielleicht so viel, dass Rinteln vollkommen unab­hängig wird von den großen Anbietern der Branche.

Könnte also die Weser zur Gewinnung von Strom genutzt werden? „Man müsste die Weser aufstauen. Um effektiv Turbinen antreiben zu können, müsste man eine Fallhöhe von mindestens fünf Metern erreichen“, erklärt Sewald. „Fünf Meter sind ungefähr die Unterkante der Weserbrücke. Man kann sich also gut vorstellen, wie der Stausee aussehen würde.“

Aber es gibt auch andere Möglichkeiten wie Kleinwasserkraftwerke, Schiffsmühlen, Strömungskraftwerke mit Strom-Bojen. „Diese Anlagen sind einfach nicht rentabel genug. Die Stromgewinnung reicht nur für wenige Haushalte aus. Als Massenproduktion von Strom sind solche Anlagen derzeit noch ungeeignet und man bekommt für diesen Strom auch keinen Preis, um so etwas finanzieren zu können“, so Sewald.

Die Stadtwerke Rinteln liefern 103 Millionen kWh an ihre Kunden. Die Gesamtstromlieferungen des Unternehmens sind prozentual aufgegliedert in 44,9 Prozent Erneuerbare Energien finanziert aus der EEG-Umlage, 35,6 Prozent Kohle, 11,2 Prozent Kernenergie, 6,2 Prozent Erdgas, 1,8 Prozent sonstige Erneuerbare Energie und 0,3 Prozent sonstige fossile Energieträger.

Zum Vergleich sieht die Stromerzeugung in Deutschland so aus: 41,8 Prozent Kohle, 28,8 Prozent Erneuerbare Energie finanziert aus der EEG-Umlage, 13,3 Prozent Kernenergie, 9,5 Prozent Erdgas, 3,2 Prozent sonstige Erneuerbare Energie und 2,4 Prozent sonstige fossile Energieträger.

© Schaumburger Zeitung, Rinteln überrascht, 22.01.2018

« zurück zur Übersicht